ERÖFFNUNGSVORTRAG – Farbe im Design – The Value of Color, Timo Rieke, 2018

Sehr geehrt Damen und Herren! 

Vielen Dank an die Worte des Präsidenten der HAWK Dr. Marc Hudy! 

Farbe wird viel zu oft mit Buntheit verwechselt und doch ist es genau die Buntheit, welche der Farbe ihre Qualität verleiht! 

Farben sind der Faktor X, der Produkten, Medien, Räumen und Orten Inhalt und Emotion verleiht. Farbe ermöglicht stimmiges, nachhaltiges, identifizierbares und zeitgenössisches Design. Dabei sind die Farben, welche uns umgeben, Symptom und Akteur zugleich. Die Analyse und die Verwendung von Farben spiegelt und generiert Haltungen, soziokulturelle Bezüge, sensuelle Prägungen und funktionale Entwicklungen. Für Designer ist Farbe Ausdrucksmittel in einer Welt, die immer bunter wird und in Aufmerksamkeit verliebt erscheint. Eine lexikalische Farbenlehre, in der bestimmte Farben bestimmte Funktionen übernehmen, gibt es dabei nicht mehr. Farbe ist viel mehr zu einer Sprache geworden, die ihren Inhalt aufgrund digitaler, medialer Erfahrungen ständig zu ändern scheint. 

Schon lange werden keine Farben mehr verkauft, sondern Erlebnisse. Storytelling, Moodmanagement, Color-Consulting und Service-Design prägen das Farbdesign der Zukunft. Trends wie Neuromarketing oder Sensory Branding entdecken das multisensuelle Potenzial der Farbe gerade erst. 

Während die Konsumseite der Farben sich extrem diversifiziert und beinahe unüberschaubar wird, gerät die Essenz der Farben immer mehr in den Hintergrund. Menschen, so scheint es, beschäftigen sich lieber mit der neuesten Trendfarbe als für die nachhaltige Entwicklung ihres Stadtquartiers oder der Produkte, die sie umgeben. Die Faszination der Zukunft spielt sich derzeit im Tablet ab und nicht in der Wandgestaltung. Dabei ist die Stärke der Farben im Sinne der menschlichen Wahrnehmung nicht ihre Wandelbarkeit, sondern ihre Konstanz. Vernachlässigen wir im Streben nach den perfekt gerenderten Bildern der Zukunft die Gegenwart? Was können wir aus diesem Dilemma für die Zukunft lernen? Wie können wir Neugier für die Essenz der Farben im Heute erreichen? 

Der Philosoph Slavoj Zizek proklamiert, dass wir Klischees brauchen, um uns selbst in der Gesellschaft zu verorten und zu orientieren. In diesem Sinn brauchen wir besonders in Zeiten des Wandels neue Klischees, um der gewünschten Zukunft ein Gesicht zu geben. Wir als Theoretiker, Architekten und Designer sind letztlich damit beschäftigt aus den alten Klischees neue Visionen zu entwickeln und zu verorten. Daraus wächst eine Verantwortung.

Wenn Farbe keine rein persönliche Geschmacksentscheidung sein soll, so wird sie zur gesellschaftlichen Aufgabe. Und dann geht es darum, identifizierbare Räume und Objekte zu schaffen, die Funktion, Sensualität und Kultur im Bezug auf Raum und Form optimal einstellen. 

Die Konferenz in Hildesheim bietet die Plattform für bewusste Gestaltung mit Farben unter Berücksichtigung von Wissenschaft, Kunst und Design, Architektur, Handwerk und Industrie. Lassen Sie uns – nicht nur heute und morgen – gemeinsam die Hintergründe von Farben im Design betrachten und eine Vorstellung für die Zukunft entwickeln.

Ich bin Timo Rieke und Professor für Farbdesign an der HAWK und darf Sie hier sehr herzlich begrüßen.

Ein Jahr habe ich an der Konferenz gearbeitet und ich erinnere mich noch gut, dass das Konzept im Krankenhaus entstand, verunfallt beim Badminton mit unserem Dekan.  Just an dem Tag, an dem ich auf die Professur berufen wurde. Wenn das für ein Zeichen ist, weiß ich auch nicht genau, zumindest hat es zu dieser Tagung geführt. Und ich spüre eine große Erleichterung, dass dieses Jahr mit vielen Anstrengungen und Wandlungen nun mit so vielen bekannten und freundlichen Menschen endet. 

Die Konferenz ist für mich aber kein Abschluss, sondern vor allem ein Aufbruch, mit Ihnen zusammen am Wert der Farbe zu arbeiten und diesen in die Welt zu tragen. Die Multidiziplinarität der Farbe macht sie nämlich zu einer Zukunftsdisziplin. Farbdesign ist intermodal und fordert einen sehr offenen Blick auf die Gesellschaft.

Ich freue mich, dass wir so viele Vertreter unterschiedlicher Disziplinen der Farbe heute und morgen bei uns begrüßen dürfen! Vom Design über das Handwerk, von Künstlern zur Industrie und von der Wissenschaft in die Praxis ist es hier ein kurzer Weg.

Das Programm findet an zwei Tagen, in zwei unterschiedlichen Settings statt. Heute sind wir hier am Hohnsen 2, zu Gast bei der Fakultät Bauen und Erhalten. Es gibt heute nur dieses Plenum und verbringen den Tag hier zusammen. Es wird kleine Pausen geben, in den Pausen werden Sie verpflegt, das Catering finden Sie von mir aus auf der linken Seite. 

Nach jedem Vortrag haben sie die Möglichkeit, kurze Fragen zu stellen, nutzen Sie aber ach die Gelegenheit die Vortragenden danach persönlich anzusprechen. 

Das Thema der Tagung wird dann um 18:00 Uhr, geleitet von Moderatorin und Designerin Christina Loock, diskutiert.

Heute Abend findet im Anschluss die Mitgliederversammlung des Deutschen Farbenzentrums statt, um 19:00 Uhr bis ca. 20 Uhr in Haus A auf dem Campus Weinberg. Folgen Sie einfach den Menschen, dann finden wir gemeinsam den Weg. Oder Sie schließen sich der Gruppe an, die um 19:00 Uhr, startend vor dem Gebäude, einen kurzen, geführten Stadtspaziergang macht, es gibt eine Kapazität von 50 Menschen.  Start, wie gesagt, hier vor dem Gebäude! 

Sie werden dann zum Campus Weinberg zurück gehen, wo wir uns ab 20:30 zum Meet&Greet zusammenfinden. Für Verpflegung ist dort gesorgt!  Es besteht dann dort auch die Möglichkeit, sich schon für Workshops am Samstag einzutragen! 

Um 21:30 Uhr gibt es einen Schnipselvortrag zum Thema Color Grading, Farbe im Film, von Lutz Forster im Hörsaal am Campus Weinberg und zeitgleich eine Performance mit der Tanzgruppe Ars Saltandi, die eine Studentin zusammen mit der Gruppe entwickelt hat. 

Um spätestens 23:00 Uhr sollten wir dann enden, damit noch etwas Zeit zur Vorbereitung auf den nächsten Tag bleibt.

Der Samstag wird wahrscheinlich unruhiger! 

Vorträge finden im Hörsaal in Haus A statt,  das Farbdesignforum in Haus E und Workshops über den Campus verteilt. Eine Raumbezeichnung finden Sie im Programm und bei der Anmeldung, folgen Sie den farbigen Linien und den Beschriftungen der Gebäude! Haus A, B, C, D, E. Zeit zum wechseln der Räume sollte reichen.  

Die Räume haben bestimmte Kapazitäten, daher kann es an der ein oder anderen Stelle eng werden. 

Leider können nicht alle die Vorträge im Hörsaal sehen, daher gibt es auch die Möglichkeit den Live-Stream in Haus A im ersten Stock aufzusuchen. Das ist erfahrungsgemäß ganz angenehm.

Die Inhalte haben Sie schon in unserer Broschüre gelesen, markieren Sie sich einfach, was Sie interessiert! Melden Sie sich vor allem für Workshops an! Vom Pigment zum Pixel finden Sie bereichernde und sehr praktische Übungen.  Im Farbdesignforum spricht unter anderm der Nachwuchs, was ich für besonders spannend halte! Denn viel dieser Inhalte sind neu und ganz besondere Impulse für Designpraktiker. 

Den Büchertisch finden Sie in Haus E, eine Ausstellung im Raumlabor auf dem Parkplatz und die Ausstellung des Karl-Miescher-Preises in Haus A. Klingt kompliziert, ich bin aber sicher, Sie kommen schnell zurecht. Fragen Sie ansonsten die Studierenden, zu erkennen an diesem Band. Die wissen, wohin sie müssen.

An dieser Stelle, als Vorspann, danke ich dem gesamten Ausstellungsteam, das die Tagung realisiert hat. Ich wünsche eine gute Tagung! 

Foto: Kevin Momoh

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